
Im Projekt Ein Stück Wissenschaft stand die Entwicklung eines eigenen Stücks Schokolade im Mittelpunkt – von der ersten Recherche bis zur fertigen Form.
Ausgangspunkt war die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Studien zu Geschmack, Textur und Formwahrnehmung von Schokolade. Ziel war es, Erkenntnisse aus Forschung und Design zu verbinden und in ein physisches, essbares Objekt zu übersetzen.
Software: Autodesk Fusion 360
Visualisierung: Adobe Illustrator
Methodik: Tiefziehmaschine, Gusstechnik
Die Studie
Eine Studie in Soft Matter (2022, 18, 2910) hat verschiedene Faktoren wie die Bruch-Anisotropie, Topologieoptimierung, die Anzahl der Risse und die Energiefreisetzungsrate analysiert, um ein Stück Schokolade mit optimalem Mundgefühl zu entwickeln. Ihre Arbeit ist die Grundlage dieses Projekts.
Die folgenden Darstellungen sind eigene Messungen, die durch die Ergebnisse der Studie unterstützt wurden.


Aus dem Diagramm geht hervor, dass die Energiefreisetzungsrate in vertikaler Richtung direkt proportional zum Materialvolumenanteil ist und zunimmt während Energiefreisetzungsrate in horizontaler Richtung ebenfalls direkt proportional zum Volumenanteil des Materials abnimmt. Da Energiefreisetzungsrate in vertikaler Richtung steigt, zentriert sich das meiste Volumen der Schokolade in der Mitte des Stücks.
Verzehrempfehlung
Für das beste Genusserlebnis wird empfohlen vertikal auf das Stück zu beißen.

Form


Tiefziehmaschine

Für die Herstellung der Form wurde eine eigene Tiefziehmaschine entwickelt. Grundlage bildete eine einfache Holzbox, die als Vakuumkammer dient. Das Anschlussloch für den Staubsauger wurde mit einem Forstnerbohrer gebohrt; sämtliche Kanten und Fugen wurden von innen mit Silikon abgedichtet, um Luftverluste zu vermeiden.
Die Lochplatte erhielt 6 mm-Bohrungen in einem versetzten Raster, wurde aufgeklebt und ebenfalls von außen mit Silikon versiegelt. Der Trägerrahmen für die Kunststofffolie entstand aus zwei verleimten Platten. Abschließend wurden an der Rahmenunterseite zwei Leisten befestigt, damit der Träger direkt in die Schienen eines Backofens eingeschoben werden kann – zum Erhitzen und anschließenden Tiefziehen über die Form.


Silikonform
Da die Genauigkeit der tiefgezogenen Formen den Anforderungen der mathematisch definierten Geometrie nicht genügte, wurde das Schokoladenstück abschließend mit lebensmittelechtem Silikon abgeformt. Dafür diente ein zuvor 3D-gedrucktes Modell als Vorlage.



Abformen



Ergebnis

Das Projekt verbindet wissenschaftliche Forschung, digitale Modellierung und handwerkliche Experimentierfreude – ein Versuch, wissenschaftliche Erkenntnis nicht nur zu verstehen, sondern als Form und Material zu erleben.
Ausstellung




